Justitias Welt
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Eva Martin

Rechtsreferendariat: Wahlstation an der deutschen Botschaft in Sarajewo

Zu Beginn des Referendariats habe ich mich dazu entschlossen, meine Wahlstation für einen Auslandsaufenthalt zu nützen. Da mich schon immer interessiert hat, wie an einer Botschaft gearbeitet wird, bewarb ich mich beim Auswärtigen Amt für einen Referendarsstelle an einer deutschen Botschaft im Ausland. Die Bewerbung erfolgt zentral über das Auswärtige Amt. Es können zwar Wunschziele angegeben werden, die Zuteilung erfolgt aber aufgrund der Vielzahl der Bewerber nach strengen Kriterien. Insbesondere englischsprachige Länder sind nur schwer zu ergattern. Dementsprechend war auch meine Zuteilung eine große Überraschung: Sarajewo. Im ersten Moment reagierte ich vor allem mit Unwissen. Nach kurzer Einlesezeit habe ich mich aus Neugier dafür entschieden und es rückblickend auch nie bereut.

Im Folgenden soll zum einen ein kurzer Einblick in die Tätigkeit eines Referendars bei einer deutschen Botschaft im Ausland gegeben werden. Zum anderen soll aber auch ein Land vorgestellt werden, das auf eine sehr bewegte Geschichte zurückblicken kann.

Tätigkeit eines Referendars an einer Botschaft

Die Tätigkeit eines Referendars an einer Botschaft dürfte, je nach Größe der Botschaft, in den meisten Ländern ähnlich ausgestaltet sein. Man erhält in der Regel Gelegenheit alle Abteilungen kennen zu lernen, indem man dort jeweils einige Wochen verbringt. Der Tag beginnt für alle mit der morgendlichen Presserunde. Dort wird über das aktuelle politische Tagesgeschehen im Land berichtet. In den Abteilungen bekommt man dann kleinere oder größere Aufgaben, die ganz unterschiedlicher Natur sein können. Der Schwerpunkt liegt dabei keineswegs auf juristischem Arbeiten, sondern vielmehr darin, einen Einblick in die verschiedenen Arbeitsbereiche zu erhalten. In der Abteilung Kultur durfte ich beispielsweise an der Homepage-Gestaltung mitwirken, in der Abteilung Politik befasste ich mit der Menschenrechtssituation im Land. Darüber hinaus erhält man außerdem häufig die Gelegenheit an Terminen und Veranstaltungen teilzunehmen. Hierzu zählen kulturelle Veranstaltungen oder Treffen mit Vertretern der Wirtschaft, von Hilfsorganisationen oder von anderen Botschaften. Lediglich in der Abteilung Rechts- und Konsularwesen befasst man sich mit juristischen Themen. Dort erhielt ich einen Einblick in das Visarecht und durfte auch entsprechende Schriftstücke selbst entwerfen.

Land und Leute

Sarajewo, Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina, ist mit ca. 380 000 Einwohnern eine vergleichsweise kleine Stadt. Man findet sich dadurch schnell zurecht. Dennoch gibt es viel zu entdecken. Bosnien-Herzegowina kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Von der Herrschaft der Osmanen, über die Habsburger und schließlich Tito, unterschiedlicher könnten die Einflüsse nicht sein. Das Stadtbild von Sarajewo zeugt von diesen vielfältigen kulturellen Einflüssen. Auf kleinem Raum findet man Moscheen, Synagogen, katholische und orthodoxe Kirchen. Aber auch die jüngere Geschichte des Landes ist sichtbar. Auch über zehn Jahre nach Ende des Krieges sind die Spuren an etlichen Häuserfassaden noch sichtbar. Während meines Aufenthalts habe ich jedoch nicht nur die Stadt Sarajewo kennengelernt, sondern auch einige andere Städte und die Natur. Das Land bietet in vielen Teilen noch eine sehr unberührte und beeindruckende Landschaft, viele Berge, Flüsse und Wälder. Anders als etwa das benachbarte Kroatien ist Bosnien-Herzegowina jedoch noch weit davon entfernt als Reiseland bezeichnet werden zu können, da eine entsprechende Infrastruktur noch fehlt. Dennoch besteht großes Potential.

Für die Laufbahn eines Diplomaten habe ich mich letztendlich nicht entschieden. Dennoch war der Aufenthalt ein sehr interessanter Einblick in den Tätigkeitsbereich einer Botschaft, vor allem aber in ein Land, das ich sonst vermutlich nie kennengelernt hätte.



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